„Laptop oder Almhütte?“

Die Scheidung ist „durch“!

… Josef „Sepp“ Holzner, 48 Jahre, Geschäftsführer des internationalen Sportartikel-Unternehmens Mondial war beruflich äußerst erfolgreich. Doch privat hatte er Schiffbruch erlitten mit seiner Frau Eliane, die fünf Jahre jünger war und in München-Bogenhausen die Edelboutique Courage führte.
„Warum sah ich die Warnzeichen nicht schon vor Jahren und merkte nicht, dass wir uns so weit auseinandergelebt hatten?“, dachte Sepp. Ich, der „Selber-G’schnitzte“ und Eliane, die zu einer überkandidelten „Schickimicki-Tussie“ mutierte, zu einer richtigen „g’spinnerten Kuh“, wie man in Bayern sagt.
Als wir uns kennenlernten, war sie so natürlich und sportlich. Ich hätte nie gedacht, dass sich daraus einmal so eine „g’sprissene Aristokraten-Tante“ entwickeln würde. Der Volksmund sagt: „Die Töchter ähneln später immer mehr den Müttern“. Wie recht er hat…

Wenn ich zurückdenke an unsere Hochzeitsfeier im Restaurant Zum goldenen Hirschen, wie meine Schwiegermutter Helene von Taubenstein am Tisch saß, da kommt mir heute noch das kalte Grausen. Die Helene war „aufgebrezelt“, als ob sie im Nationaltheater eine Hauptrolle übernommen hätte und gerade mit den Zofen spricht. Dementsprechend war ihre Körperhaltung: Mit einem geringschätzigen Blick, den Kopf in den Nacken geworfen, betrachtete sie, was da noch kommen sollte. In ihrem rosafarbenen langen Abendkleid, der toupierten Hochfrisur und mit dem übertriebenen Goldschmuck am linken Handgelenk wirkte sie wie eine Frau aus einer anderen Zeit. Ja, ja, Adel verpflichtet …
Aber wer saß da an ihrem Tisch? Ein junger Mann, der nicht einmal richtig Hochdeutsch sprach. Einer, den sie sich nur in Lederhosen und mit Gamsbart vorstellen konnte. „Aber wenigstens schaut er gut aus mit seinem pechschwarzen Haar, der sportlichen Figur und dem charmanten Lächeln …

Aus „Rückgrat gezeigt – Job verloren“

Sepp stimmte sich immer eng mit John McGregor, dem General Manager von Mondial in Chicago ab. Zu John hatte er einen guten Draht und dieser gab ihm auch viel freie Hand bei der Marktbearbeitung in Europa. Aber nur deshalb, weil die Geschäfte gut liefen.
Im Innersten verachtete er aber John, weil dieser sich immer als der große Macker aufspielte, jedoch nach Sepps Meinung keine Ahnung von dem europäischen Sportartikelmarkt hatte.
John begriff z.B. nicht oder wollte nicht begreifen, dass die Sportfachhändler in Berlin, Wien oder Zürich ganz andere Menschen mit unterschiedlichen Verhaltensweisen waren, obwohl alle „Deutsch“ als ihre Muttersprache bezeichneten.
„It’s all the same“ – mit der Gieskanne drüber, dann stimmt’s schon, so war in Europa kein Blumentopf zu gewinnen. Aber das geht in diese ,eggheads‘ nur sehr schwer hinein“, meinte Sepp.
Mit der amerikanischen Mentalität hatte er sich inzwischen arrangiert. Er wusste, dass die US-Boys „crazy guys“ sind, besonders wenn sie zur Oktoberfestzeit in München antanzen. Dort wollten sie gerne „die Sau rauslassen“, auch wenn sie im Alltag so prüde waren, wie es kaum mehr geht.
Aber Sepp wusste auch: Der Ober sticht den Unter, was für ihn bedeuten würde, dass sein Stuhl wackeln würde, sobald die Zahlen schlecht aussähen.
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Aus: „Rückzug auf die Enzianhütte“

Sepp wachte auf und die Sonne schien kräftig durch das Fenster mit den geblümten, grauen Baumwoll-Vorhängen. Es war ein wunderschöner Frühlingsmorgen und die Berglandschaft vor ihm war wie eine Kulisse aus dem Bilderbuch. Der Raum mit dem grauen, verrußten Kamin, der alten, abgewetzten Bauerneckbank und dem vergilbten rosa Sofa strahlte Ruhe und Vertrauen aus. Einige leere Flaschen Weizenbier und ein halbe Flasche Obstler standen noch auf dem Tisch. Sein Kopf brummte noch ein wenig. Gestern hatte er mit Peter richtig gesoffen.
Sepp machte die Fenster weit auf, um frische Luft zu schnappen. Er holte sich eine Jacke und setzte sich auf die Bank neben dem Hütteneingang. …
Er genoss diese Freiheit, allein hier oben zu sein. Das Gefühl der Freiheit, das war es, was er jetzt so dringend brauchte. Nach all den Jahren der starken Einbindung in Hierarchien, Businesspläne, Forecasts usw.
Wie hatten die immer höheren Zielsetzungen zu Umsatz und Profit ihn in Anspannung versetzt, das stete Springen von Quartals- zu Quartals-bericht. Kaum war ein Gipfel in der Geschäftsentwicklung erreicht, wurde ihm schon wieder der nächste vor die Nase gesetzt. …
Sepp beobachtete den Flug eines großen Vogels. Faszinierend, wie er seine Bahnen zog, so dahinsegelte und sich vom Wind tragen ließ. Dieser Vogel hatte die Freiheit, nur dorthin zu fliegen, wohin er allein es wollte. Und je mehr Sepp über diese absolute Freiheit nachdachte, desto mehr wurde ihm bewusst, wie sehr er sich danach sehnte …
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